Nº 262

Window Graphics

Das Computerfenster als klassisches Element von Softwareoberflächen, das als Schnittstelle zwischen Computer und Benutzer dient, ist uns vertraut und doch wenig präsent. Wie selbstverständlich erfolgt die Interaktion mit Scrollbalken, Skalierungsoptionen und Schaltflächen zum Maximieren, Minimieren oder Schließen. Die grafische Sprache, die uns die entsprechenden Funktionen lange Zeit vermittelte, weicht nun aber bei vielen Endgeräten Stück für Stück einer gestengesteuerten Bedienung. Umso interessanter ist es festzustellen, dass man sich im Bereich der visuellen Kommunikation dieser Ästhetik nun verstärkt bedient.






Window Interaction

animade.tv

milotargett.com

 

Milo Targett ist Teil des interdisziplinären Teams von Animade, einem in London ansässigen Studios für Animation und Interaktionsdesign. Für ein freies Projekt mit dem Titel „Lido Sim“ hat er sich mittels eines 47 Sekunden langen, animierten Kurzfilms mit der Macht des Users befasst. Das cartoonartige Set des Handlungsverlaufs lässt sich aufgrund der vorhandenen Taskleiste eines Desktops und aufpoppenden Fenstergrafiken in einem Computerspiel verorten. Auf verschiedenen Fensterebenen tauchen nach und nach mehr Details einer Schwimmbadlandschaft auf. Der Wunsch des Spielcharakters, den Aufenthalt am und im Schwimmbecken einfach zu genießen, wird jedoch stets durch das Eingreifen eines unsichtbaren Spielers gestört, der durch Manipulation der Fenster dem Charakter immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Das Aktivieren und Skalieren der Fenster nimmt unter anderem direkten Einfluss auf die Länge der Leiter an der Rutsche oder die Tiefe des Swimmingpools. Auf ironische Art und Weise verweist Targett so mittels einfachster Formen von Interaktion am Computer auf die fast gottgleiche Rolle des Spielers. „Frankensim“ ist die im Sommer 2015 veröffentlichte Weiterentwicklung des Kurzfilms. Ein interaktives Web-Spielzeug, das den User zum aktiven Schöpfer einer Kreatur macht. Das Tool enthält einen virtuellen Baukasten, mit dem verschiedene Organe und Teile des Gesichts untereinander kombiniert werden können. Die einzelnen Interaktionselemente sind ebenfalls Computerfenstern nachempfunden, die sich ihrer typischen Mechanik folgend bedienen lassen. Die Pop-up-Fenster reagieren in verschiedenen Kombinationen unterschiedlich aufeinander und halten so immer neue Überraschungen für den Spieler bereit.







Simulacrum

sebastianhenkel.de

 

Sebastian Henkel bezeichnet sich selbst als fotografischen Autodidakt, der während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und Filmwissenschaft in Mainz und Tokio, durch Praktika und Assistenzen, das Medium Fotografie für sich entdeckt hat. Bei Marten von Rauschenberg in Schanghai kam er mit großen Produktionen und erstmalig auch mit Computer Generated Imagery (CGI) in Berührung. Nach seinem Magister assistierte Henkel bei Daniel Sannwald in London und Wien, dessen Handschrift stark von der Verbindung zwischen 3D-Grafik und zeitgenössischer Modefotografie gekennzeichnet ist. Das intermediale Interesse Henkels ist auch in seiner eigenen Bildsprache zu sehen, die er seit 2013 in selbstständiger Tätigkeit als Fotograf umsetzt. Dabei kommt ihm die Methodik der digitalen Collage zur Visualisierung konzeptioneller Ansätze stark entgegen: In der freien Serie „Simulacrum“ spielt er beispielsweise mit den Übergängen zwischen virtueller und realer Welt. Ausgehend von dem Gedanken, dass seine Fotografien generell zuerst im Internet oder auf dem Bildschirm betrachtet werden, täuscht er mit seinen Bildanordnungen die Anmutung eines Desktops vor. Der Einsatz von Computerfenstern als grafische Rahmen vermittelt dem Betrachter so zunächst eine gewisse trügerische Interaktivität, die referenzierenden Rahmen dienen aber als rein kompositorisches Mittel.




Digital August

kulachek.com

strelka.com

 

Die gebürtige Ukrainerin Anna Kulachek hat sich bereits durch die Neugestaltung des Corporate Designs für das Polytechnische Museum in Moskau im Jahr 2013 in der Grafikszene einen Namen gemacht. Mit Zwischenstation in Italien, um für das Kommunikations- und Forschungszentrum Fabrica zu arbeiten, lebt Kulachek nun in Moskau. Vor Ort unterrichtet sie Grafikdesign an der Higher School of Economics und ist als Artdirektorin für das Strelka Institute, das sich unter anderem auf Architektur, Design und Sozialwissenschaft spezialisiert hat, tätig. Im Spätsommer 2015 widmete sich das Institut der Rolle des Gestalters innerhalb technologischer Entwicklungsprozesse des Internets. Für die visuelle Leitlinie der Veranstaltungsreihe „Digital August“ entwickelte Kulachek – um das Vortrags- und Workshopangebot angemessen kommunizieren zu können – aus der Metaphorik von Icons, die uns bei der alltäglichen Nutzung unserer mobilen Geräte immerzu begleiten, eine Plakatreihe. Die reduzierten, sonst eher funktionsorientierten grafischen Elemente fungieren hier verstärkt dekorativ, veranlassen aber zu Assoziationen mit dem Thema Digitalisierung.



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