Nº 277
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Erzählstrukturen

Text: Carolin Blöink

Raster, Panels und Module strukturieren die Bildwelten einiger zeitgenössischer Illustratoren und lassen Kompositionen noch stärker zu Bildgeschichten werden, ohne dabei zwangsläufig Textelemente zu integrieren.

Die an Splitscreens erinnernden Darstellungen beziehen Anleihen aus verschiedenen Comicströmungen, wie der seit den 1980er-Jahren bekannten Ligne claire, oder von aktuellen Künstlern des sogenannten Neo Manga, wie Yuichi Yokoyama. Welche Vorbilder und Einflüsse zudem den visuellen Output inspirieren und welche Funktion die Strukturelemente in ihren Werken einnehmen, haben wir die Illustratoren José Quintanar, Jiye Kim und Nicolas Nadé gefragt.



 

Zeitlos erzählen

josejajaja.com

 

José Quintanar studierte zunächst Architektur in Madrid und London, bevor er sich dem illustrativen Geschichtenerzählen widmete. Inzwischen lehrt er selbst Illustration an der Willem de Kooning Academy in Rotterdam. Fasziniert von den unterschiedlich schnellen Erzählformen in Literatur und Architektur, deren strukturellem Vorgehen und innerer Organisation, integriert Quintanar in seine Bildsprache mittlerweile ebenfalls Raster und Module, die ihm neue Freiheiten in der Darstellung von Zeit und Zeitlosigkeit, aber auch Perspektivenvielfalt bescheren. Nach seiner ursprünglichen Intention, hauptsächlich ausgewogene Kompositionen zu erschaffen, interessiert ihn zunehmend das Narrative. Seine Visualisierungsansätze speist der gebürtige Spanier unter anderem aus den Werken von Schriftsteller Don DeLillo, Musiker Brian Eno, Architekt Cedric Price oder aus Arbeiten der Installationskünstlerin Dominique Gonzalez-Foerster.



 

Dynamik schaffen

jiyekim.com

 

Die Kingston University-Absolventin Jiye Kim arbeitet als Illustratorin in Seoul. Durch die Berührung mit der Animation im ersten Studienjahr begann sie, Storyboards zu zeichnen und lernte die Funktion von Panels auf unterschiedliche Weise zu schätzen: variable Optionen der Navigation innerhalb der Storyline, das spontane Ergänzen und Entfernen von Ideen, das Schaffen eines erzählerischen Rhythmus aber vor allem das Dramatisieren und Dynamisieren durch die Skalierung der Module. Kim nutzt das Raster ebenso, um es zu durchbrechen, wie für klassische Formen der Abgrenzung, um eine sequenzielle Reihe infrage zu stellen. Verschiedene Erzählmethoden innerhalb eines Seitenlayouts zu kombinieren, prägt ihren Stil, mit dem sie Ereignisse humoristisch in Bildgeschichten zusammenfasst. Film und Kino dienen der Illustratorin als Inspirationsquelle für Blickwinkel, genauso wie die Fähigkeit, geschriebene Worte in Bewegtbild zu übersetzen.



 

Improvisation einfangen

nicolasnade.fr

 

Nicolas Nadé begeisterte sich schon früh für Formen der Repetition und dafür, innerhalb dieser Variationen zu erschaffen. So lässt sich auch sein Interesse für das Experimentalkino von Paul Sharits und Peter Kubelka oder Minimal Music erklären. Nadé vergleicht sein Vorgehen mit dem Überlagern verschiedener Rasterfolien, die – nur leicht verschoben – sehr unterschiedliche optische Effekte erzielen können. Bildkompositionen entstehen intuitiv und werden erst später mithilfe von Modularrangements zu einem erzählerischen Konstrukt. Oft definiert er zunächst Anfangs- und Endpunkt und ist offen für die Geschichte, die sich dazwischen entwickelt. Visuelle Loops werden freigelegt oder zwei Erzählstränge, die zu Beginn nichts miteinander zu tun haben, kombiniert. Ebenso sind Bildmutationen von 2D zu 3D möglich, die die Eingeschränktheit des flachen Raums durchbrechen. Nadés Freude an zunächst versteckten Orten der Erzählung findet Anklang in seiner Arbeit. Begeistert berichtet er von Makrofotografie, welche Strukturen zutage fördert, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, oder von der Komplexität eines Wurzelstocks in der Botanik, die an der Oberfläche nicht zu erahnen ist, genauso wie von Architekturplänen, die für ihn völlig andere Narrative innehaben, als die Betrachtung eines Hauses von außen vermuten lässt.

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