Boris Brumnjak im Gespräch.
Schwarz-Weiß-Plakate

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Das systematische Sammeln gehört schon immer zu den archetypischen Instinkten, die Menschen auch heute noch mehr oder weniger ausgeprägt verspüren. Boris Brumnjak* sammelt seit 10 Jahren typografisch gestaltete Schwarz-Weiß-Plakate. 




Diese außergewöhnliche Leidenschaft, welche zu einer derzeit ca. 500 Plakate umfassenden Sammlung führte, brachte ihm die Chance, seine 100 absoluten Favoriten im Rahmen des internationalen Festivals „Weltformat 13“ auszustellen. Wir haben Boris Brumnjak dazu befragt und geben einen Rückblick auf die Ausstellung, der weitere folgen sollen. 

 

Wie sehen Sie als aktueller Beobachter der Plakatszene die Entwicklung des Printmediums?

Als aufmerksamer Beobachter der aktuellen Gestalterszene und als Geschäftsführer einer Berliner Druckerei, kann ich sagen, dass sich die Printmedien gut und konstant weiterentwickeln. Gute Gestaltung sowie die optimale Umsetzung im Druck sind  sehr gefragt und werden nach wie vor bestehen bleiben. Es ist deutlich zu erkennen, dass viele Kunden der Online-Druckereien, welche Gleichförmigkeit und Standard-Druck anbieten, ihr Bewusstsein immer mehr ändern und sich zu eigenständigeren Druck- und Veredelungsprodukten bekennen. Die vielfältigen Möglichkeiten und Produktionstechniken im Druck- und Veredelungsbereich werden somit immer häufiger geschätzt und auch auf spannende Art und Weise umgesetzt.

 

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Plakate aus?

Es muss „Liebe auf den ersten Blick“ sein, denn beim Betrachten muss mein Herz einfach schneller schlagen. Ich sammle nur das, was mir gefällt. Und sonst nichts. Oder wie ich es bei der Eröffnungsrede formuliert hatte: „Für jedes der 100 Plakate in der Ausstellung würde ich mich jederzeit vor den Zug schmeißen“. Ich denke das sagt einiges über meine Bindung zu den Arbeiten aus.

In den meisten Fällen hole ich meine Plakate, die oft um die 100 Jahre alt sind, direkt beim jeweiligen Gestalter oder Besitzer ab. Die Resultate dieser Aktionen sind oftmals mit interessanten Gesprächen verbunden. Dadurch kommt es häufig vor, dass der „Faktor X“ ins Spiel kommt, das Unerwartete, ohne das ich so manches Plakat bestimmt nicht entdeckt und erhalten hätte. Das ist meine Motivation, das treibt mich an.

 

War Ihr Ziel schon immer, mit den gesammelten Plakaten eine Ausstellung zu gestalten?

Nein, eigentlich habe ich damit keine Ausstellung im Sinn gehabt. Ich habe ganz einfach nur egoistisch für mich gesammelt. Diese Leidenschaft bereitet mir wahnsinnige Freude. Da über die Jahre viele Freunde und Kollegen Einblick in die Sammlung erhalten haben und ebenfalls ihre Freude daran hatten, ist nach zahlreichen Gesprächen über eine mögliche Ausstellung und über einen guten Kontakt nach Luzern die erste Ausstellung entstanden.

Diese Ausstellung hatte sich recht spontan ergeben. Einige Gestalter und Freunde aus der Schweiz organisieren das Weltformat Plakatfestival  und haben mich nach Luzern (Kunsthalle) eingeladen. Die Schwarz-Weiß-Ausstellung in Luzern ist auf sehr großes Interesse gestoßen. Zudem gibt es jetzt auch noch aus anderen Städten und sogar Ländern Anfragen für weitere Ausstellungen.

Ein schöner Nebeneffekt für mich  ist es, dass ich selbst einen Teil meiner Sammlung auf einen Blick zu sehen bekomme. In meiner  Schwarz-Weiß-Sammlung gibt es bisher übrigens ca. 500 Plakate. Die 100 gezeigten sind meine absoluten „Lieblinge“.

 

Haben Sie schon etwas anderes gesammelt?

Ja, ich hatte mich vor dem Plakat-Thema mit dem (fast) kleinsten Gestalter-Thema beschäftigt: der Visitenkarte. 2004 hatte ich damit allerdings nach Jahren des Sammelns aufgehört (nach ca. 5.000 Karten aus aller Welt, Ausstellung, Publikation und Vortrag auf der Typo-Berlin). Dann ging es direkt im Anschluss sehr intensiv mit den (Schwarz-Weiß-) Plakaten weiter.

 

Welcher Grundgedanke steckt hinter den favorisierten Schwarz-Weiß-Plakaten? Warum keine Grün-Roten?

Am Anfang hatte ich mit „farbigen“ Plakaten angefangen (vor ca. 15 Jahren). Im Laufe der Zeit habe ich aber festgestellt, dass für mich die schwarz-weißen am faszinierendsten sind. Danach wurde nur noch zielstrebig nach diesen Motiven Ausschau gehalten. Schwarz-weiß bildet den stärksten Kontrast und ist wegen der begrenzten Mittel für den Gestalter eine große Herausforderung.

 

Wie hat sich Ihre Leidenschaft entwickelt?

Plakate haben mich schon seitdem ich denken kann beeindruckt. Bewusst angefangen Plakate zu sammeln habe ich vor ca. 15 Jahren. Der Prozess des Sammelns und ebenfalls der intensive Austausch mit den Gestaltern und anderen Plakatsammlern bereitet mir große Freude und ist für mich mein Antrieb.

 

Wieso enthält die Publikation Skizzen und keine Repros?

Wenn ich den Kontakt zu einem Gestalter suche, der ein Plakat besitzt welches unbedingt in meine Sammlung muss, schreibe ich einen handgeschriebenen Brief mit einer kleinen Skizze von dem jeweiligen Plakat. Da die Skizzen bisher immer gut angekommen sind, habe ich mich dazu entschieden, alle Abbildungen im Katalog in meiner Art nachzuzeichnen. 

 

 

*Der in Berlin 1977 geborene Boris Brumnjak machte als staatlich geprüfter Grafikdesigner 1999 seinen Abschluss am Lette-Verein und sammelte Erfahrungen bei Praktika und freiberuflichen Tätigkeiten in seiner Heimatstadt und in Chicago. Danach arbeitete er als Art Director bei Boros, machte sich 2005 selbständig und eröffnete das Büro für Gestaltung in Berlin. Seit 2007 ist Brumnjak als Dozent für Typografie am Lette-Verein, seit 2012 an der Miami Ad School und 2012–2013 an der Universität der Künste Bremen tätig. Gemeinsam mit Armin Akbarzadeh ist er seit 2008 Geschäftsführer der Berliner Offsetdruckerei Gallery Print

 








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