Bühnen, Banken, Flugzeughallen. Frankfurter Projekte von Otto Apel/ABB

Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main

–14. Mai 2017

dam-online.de


Chicago am Main, so wurde Deutschlands Finanzzentrum in den 1960er- und 1970er-Jahren genannt, bevor das Stadtmarketing mit Mainhatten und dem Vergleich der Taunusanlage mit dem Central Park in New York Selbstüberschätzung praktizierte.




Das bisschen Wahrheit in beiden Charakterisierungen liegt darin, dass die fünftgrößte Stadt der Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg tatsächlich manche US-amerikanische Stilmerkmale aufgriff, was allerdings nicht auf die Lage zurückgeht – Frankfurt liegt nicht am Meer, das Zentrum ist nicht auf Fels gebaut und der Vergleich des Mains mit Hudson oder East River so stimmig wie die Behauptung, die Nidda sei ein zentraler Strom von europäischer Bedeutung –, sondern an den vom IG-Farben-Building aus organisierten Streitkräften, zunächst der Besatzungsmacht, später des NATO-Verbündeten USA. Deren Angehörige kamen in Straßenkreuzern etwa aus Hanau-Wolfgang oder Wiesbaden nach Frankfurt, und es gab Jazz an verschiedenen Orten sowie US-Uniformen im Straßenbild, und wer zu Amerikanern gute Kontakte hatte, konnte günstig Waren aus den PX-Läden erwerben. Nachsehen lässt sich dieses Zeitbild in Abisag Tüllmanns wunderbarem Querschnittbildband „Großstadt“, der 24 Stunden in Stadt und Stadtrand, am Werk- und am Feiertag beschreibt.

Mitten im Zentrum Frankfurts sind auch zwei Bauten Otto Apels, der zusammen mit Rudolf Letocha, William Rohrer und Martin Herdt 1950 wiederaufgebaute Römer, wo am Rand zur Braubachstraße die neue Fassadenstruktur sich auf den alten Sandsteinerdgeschossen erhebt, mit dem sinnfälligen Mosaik des Vogels Phoenix; und das eigene Bürohaus. Erbaut bis 1956, lässt dieser Le Corbusiers Schweizerhaus in der Pariser Universitätsstadt zitierende Bau des Apel-Architekten Eberhard Brandl – Apel verstand sich ganz amerikanisch als Architektur-Unternehmer, nicht als kreatives Genie und ließ Mitarbeitern großen Spielraum – die anschließenden und gegenüberliegenden Bauten konventionell aussehen, stellt Transparenz den immergleichen Rastern entgegen, lockt mit Licht und Luft, zwei wesentlichen Forderungen der klassischen Moderne. Innen aber hatte das internationale Nachkriegsdesign einen frühen markanten Auftritt in Frankfurt. Hier wurden Mitte der 1950er-Jahre die Braun-Geräte Hans Gugelots an die Klinkerwände der Obergeschoß-Wohnungen gerückt und für Werbezwecke fotografiert; hier setzte der Documenta-Initiator Arnold Bode die Möbel von George Nelson und Charles Eames ins rechte Spotlight der Göppinger Galerie, einem Ort für Design, Kinderzeichnungen und Kunst der Weltkulturen und der Gegenwart. Hier wurden schließlich in den Büros von ABB die noch die Horizontale betonenden Hochbauten des Hotels Intercontinental am Main und die Bundesbank entworfen, später dann die Hochhäuser der Dresdner und der Deutschen Bank, wichtige Fixpunkte der stadtplanerischen und architektonischen Amerikanisierung Frankfurts. Und noch vor Bezug des eigenen Bürobaus hatte Apel als Kontaktarchitekt des New Yorker Büros SOM (Skidmore, Owens und Merrill) das ehemalige Amerikanische Generalkonsulat am Palmengarten mit seiner leichten Vorhangfassade realisiert.




Nun zeigt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) im Erdgeschoß-Wandelgang diese und weitere Bauten. Oder besser, es präsentiert, kuratiert von Sunna Gailhofer, Fotografien von ihnen, zumeist aufgenommen von dem ABB verbundenen Fotografen Ulfert Beckert. Leider bleibt die Frage nach einer spezifischen fotografischen Ästhetik unbeantwortet, dicht an dicht hängen kleinteilig Original- und Kontaktabzüge. Auffallend ist, wie viel Wert ABB auf die Vorstellung der Innenräume legte, prominent sind Knoll International- und Herman Miller-Möbel vertreten. Anderes Interior Design aber, wie etwa die die Innenräume bestimmenden Staumöbel von Christian Holzäpfel, bleibt unberücksichtigt. So erhält die Kabinettschau einen Mid-Century-Charakter, auf den auch DAM-Direktor Peter Cachola Schmal hinwies. Doch ging die Verbindung ABB und Design weit darüber hinaus. Unter anderem ist dies Thema am 20. April 2017 um 19 Uhr, wo unter dem Titel „Gesamtkunstwerk Dresdner Bank – Das Zusammenspiel von Jürgen Ponto, Otl Aicher und ABB Architekten“ der Frankfurter Grafiker Markus Weisbeck und Heinz Scheid, Entwerfer des alten Dresdner Bank (heute DB)-Hochhauses, unter Leitung von Oliver Elser den Zusammenhang von Corporate Design und Architektur im DAM diskutieren werden. 

 

 

Jörg Stürzebecher
















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