6. Juni 2018

News

Lore Kramer. Ich konnte ohne Keramik nicht leben

Text: Jörg Stürzebecher

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main

– 26. August 2018

museumangewandtekunst.de

 

Vasen und Schalen, Kannen und Tassen, dazu noch Fliesen und Figuren, so etwas erwartet man in Keramikausstellungen und so etwas wird auch im Frankfurter Museum Angewandte Kunst anlässlich der ersten (!) Werkübersicht zur Gestaltung von Lore Kramer gezeigt. Es handelt sich also um eine Entdeckung, nur wird dies erfreulicherweise nicht besonders betont, denn dazu nehmen sich die Gegenstände zu vertraut, zu selbstverständlich im besten Sinne aus. Zumindest im deutschsprachigen Raum ist Kramer keine Unbekannte, man kennt ihre Aufsätze zur Designgeschichte, ihr jahrzehntelanges Engagement für das Bau, Produkt und Publizistik vereinigende Werk ihres Mannes Ferdinand Kramer, weiß von ihrer Förderung seinerzeit junger Entwerfer und Journalisten. Auch, dass sie Bildhauerin werden wollte und Keramikerin wurde, ist bekannt, weniges konnte man bei Besuchen in ihrer Wohnung sehen, manches war darüber hinaus aus Fotografien bekannt. Doch das meiste blieb seit der Wandlung der Offenbacher Werkkunstschule zur Hochschule für Gestaltung Anfang der 1970er-Jahre verborgen, und es ist dem Engagement des Leiters des Museum Angewandte Kunst, Matthias Wagner K, zu verdanken, dass dieser Teil eines umfangreichen Lebenswerkes mit Praxis, Theorie und Familie nun bekannt wird. Dabei gelingt es der Ausstellungsarchitektur, die Objekte so vorzustellen, dass der Eindruck bloßer Ansammlung vermieden wird, wohl aber Verbindendes, etwa bei Glasuren deutlich wird. Besonders der Zentralraum der Schau, der keine Werkstatt nachbildet, wohl aber Archetypisches einer Töpferwerkstatt zusammenfasst, trägt hierzu bei, ein von der Co-Kuratorin Annika Sellmann zusammen mit Offenbacher Studierenden gelungen realisierter Entwurf.



 

Stilistisch geht Lore Kramer von den Volumen betonenden Abstraktionen Otto Baums und den schlanken Konturen des späten Gerhard Marcks – bei beiden hat sie studiert – aus; handwerkliche Kenntnisse erwarb sie bei dem vor allem in Zusammenhang mit dem Weimarer Bauhaus rezipierten Otto Lindig. Diese Einflüsse verbindet sie in klaren Formen, bei denen viele Arbeiten durch ihre farbigen Glasuren den Optimismus der Nachkriegszeit reflektieren. Arbeiten für die Industrie wie ein Stapelsystem für Wächtersbach, dessen Formen einem ähnlichen Prinzip folgen wie die Großgastronomieentwürfe von Hans Theo Baumann, Heinz H. Engler oder Nick Roericht um 1960, bleiben Episode. Um den Vertrieb ihrer Arbeiten hat Kramer sich nie gekümmert, was mit zur geringen Bekanntheit dieses Werkes beitrug. Dass es doch einige gab und gibt, die von diesem wussten, wurde bei der Eröffnung deutlich, wo nicht nur Freunde, Weggefährten und thematisch Interessierte das Museum füllten, sondern gerade auch Keramiksammler nach ihnen Unbekanntem Ausschau hielten und die Frage nach einer möglichen Verkaufsausstellung aufkam. Auf diese aber, wie auch auf die geplante Werkübersicht, heißt es noch warten. Ein die Ausstellung begleitender Katalog ist in Vorbereitung.



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