Nachruf.
Hans Hillmann (1925–2014)


Wer in den 1950er-, 1960er- und 1970er- Jahren des Öfteren Programmkinos besuchte, mag vielleicht nicht mit seinem Namen vertraut sein, aber mit seinen Arbeiten: Hans Hillmann, bedeutender deutscher Grafiker und Illustrator. Etwa 130 Filmplakate, die damals in den Vitrinen hingen, hat er für den Göttinger Filmverleih Neue Filmkunst gestaltet. Am 4. Mai 2014 ist er im Alter von achtundachtzig Jahren bei der Arbeit in seinem Frankfurter Atelier gestorben. Anlass für uns sein Lebenswerk zu würdigen.




Dass Hans Hillmann Filmplakate gestaltete, kam nicht von ungefähr. Nachdem er eine Ausstellung von Hans Leistikow gesehen hatte, der Professor für Grafik an der Staatlichen Werkakademie in Kassel (später Hochschule für Bildende Künste, heute Kunsthochschule Kassel) war und hauptsächlich Plakatgestaltung lehrte, wechselte Hans Hillmann 1949 von der Schule für Handwerk und Kunst in die Klasse von Leistikow. Damit die Studierenden sich ihr Studium finanzieren konnten, vermittelte Leistikow ihnen Aufträge. Einer dieser Aufträge waren Filmplakate für den Verleih Neue Filmkunst, den Hillmann in einem klasseninternen Wettbewerb gewann und viele Jahre fortsetzen sollte. Ab 1957 bekam er für seine Filmplakate Auszeichnungen beim Wettbewerb „Das beste deutsche Plakat“ und zeigte seine Arbeiten bei nationalen und internationalen Ausstellungen wie der Triennale in Mailand (1960), der ersten Plakatbiennale in Warschau (1966) und der Einzelausstellung „Hans Hillmann: Plakate, Zeichnungen, Aquarelle“ im Kasseler Kunstverein (1989). Weitere Auszeichnungen waren der Grand-Prix-Toulouse-Lautrec für vier Filmplakate (1962) und der Prix d’Honneur du Comité de Direction  de L’Exposition International d’Affiche Artistique de Cinéma (1975). Außerdem beteiligte er sich 1964 mit seinen Arbeiten an der documenta III in Kassel.

 

Hillmanns vielfältige Ausdrucksformen im festen Format Plakat zeigen die gestalterische Freiheit, die ihm der Verleih ließ, die technischen Entwicklungen im Laufe der drei Jahrzehnte und seine Experimentierfreudigkeit beim Übersetzen eines Films in ein unbewegtes Bild. In einem Interview sagte er einmal: „Ich selbst votiere für eine offene Position: die Aufgabe, in einem kleinen Plakatformat etwas von der Botschaft, der Atmosphäre oder nur von dem Typus einer so komplexen Sache wie eines Spielfilms durchscheinen zu lassen und dazu noch den Bedingungen des Plakativen zu genügen, ist zu schwierig, als dass man es sich leisten könnte, auf die Vielfalt der sich anbietenden Lösungswege zu verzichten.“ (Müller, Jens (Hg.): Hans Hillmann. Das visuelle Werk. Baden 2009).

 

Hans Hillmanns Plakate beschränken sich nicht nur auf Film. 1964 gewann er den Wettbewerb um die Gestaltung des Plakats und der Gesamtwerbung der Kieler Woche. Sein Plakat wurde in form 70 (1984) als die „denkbar knappste Formel“ des viel verwendeten Dreiecksmotivs kommentiert.

 

Nach Abschluss seines Studiums 1953 an der Staatlichen Werkakademie in Kassel kam er als Lehrbeauftragter 1959 dorthin zurück. Zwei Jahre später wurde er zum Professor für Grafik berufen. Zu den Studierenden seiner Klasse, die sich ebenfalls der Plakatgestaltung zugewendet haben, gehören Gunter Rambow, Gerhard Lienemeyer und Frieder Grindler. Seine Lehrtätigkeit führte ihn zuletzt 2004 an die Tongji Universität in Shanghai.

 

Mit dem Niedergang der Filmkunstverleihe in den 1970er-Jahren kam auch Hillmanns Arbeit an Filmplakaten zum Stillstand. Er nutzte die Gelegenheit, um an neuen Projekten zu arbeiten. „Ich wollte schon immer ein Projekt machen, das eine Ähnlichkeit zum Film hat. Es gab vorher schon ein paar Bücher mit kurzen Bildergeschichten, die linear gezeichnet waren. Dann habe ich das Buch Fliegenpapier gemacht, aquarelliert, in etwa in der Methode, in der ich in den letzten Jahren die Filmplakate aquarelliert hatte.“ (Müller, Jens (Hg.): Hans Hillmann. Das visuelle Werk. Baden 2009). Fliegenpapier ist eine ausschließlich gezeichnete Version des gleichnamigen Buchs von Dashiell Hammett, einer Kriminalgeschichte im Amerika der 1930er Jahre. Hillmann bannte sie auf 149 in Grautönen aquarellierte Seiten, die als tatsächliche Graphic Novel zu betrachten sind, noch bevor dieser Begriff erdacht wurde. Seine Fähigkeiten als brillanter Illustrator nahmen auch das FAZ-Magazin, die Zeitschrift twen und einige deutsche Buchverlage in Anspruch. Er hat der Nachwelt damit eine große Auswahl an einzigartiger und wertvoller Gestaltungsarbeit hinterlassen.








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