Omer Fast

Martin-Gropius-Bau, Berlin

– 12. März 2017

berlinerfestspiele.de


Die Grenzen verschwimmen bei dem fließenden Übergang von Realität zu Fiktion, den der israelische Regisseur Omer Fast in seinen Filmen erschafft. Die Geschichten, die er darin erzählt, sind eine anmutige, manchmal bizarre Verwicklung von Dokumentation und Fantasie.




Sieben Filme des Künstlers Omer Fast zeigen die Berliner Festspiele aktuell im Martin-Gropius-Bau. Der Künstler, der sich in seinen Filmen mit ernsten, menschlichen Themen auseinandersetzt, wie Angst und Sehnsucht der Menschen nach dem 11. September, die nüchterne Arbeit von Bestattern, ein Geschichten erzählender Drohnenpilot oder der Alltag von Pornodarstellern. All das sind Kontexte, die an die Grenzen gehen, der Zuschauer wird erschreckt, enttäuscht, überrascht, um sich schlussendlich vielseitig mit dem Unangenehmen auseinanderzusetzten.

Stabile Parameter, die man aus dem Medium Film kennt, wie Raum und Zeit, fallen durch Loops, Reenactment und deplatzierte Kulissen in seinen Filmen weg, wodurch der Zuschauer keinem offensichtlichen Erzählstrang folgen und nichts vorhersehen kann. In seinem 2012 veröffentlichten Film „Continuity“ beispielsweise, erzählt er die Geschichte eines Ehepaars, deren Sohn als Soldat aus Afghanistan zurückkehrt. Zu Beginn ist es eine scheinbar lineare Geschichte, von der man ein klares Ende erwartet. Doch nach und nach versucht der Regisseur diese Vorstellung zu zerbrechen, dass es ebendieses ist und durch die verloren wirkenden Charaktere entwickelt sich eine Dramaturgie, die beklemmend wirkt. Er nennt es das „Trauma der Leere“.

Seine Filme provozieren Irritation und das Verlangen nach einer moralischen Erklärung – die ausbleibt. Omer Fast urteilt nicht in seinen Filmen, er verherrlicht und versteckt nicht und zeigt dem Betrachter so eine wundersame Welt, die unsere eigene aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachtet.

Vielleicht um die Skurrilität seiner Filme in den Raum zu übertragen, gestaltete der Künstler zusätzlich zu seinen Filmprojekten drei Ausstellungsräume, die im Gegensatz zu den Projektionsräumen hell und weiß sind, wie Warteräume. Sie sollen als Ort für Performances und Interventionen dienen und ein integraler Bestandteil der Ausstellung „Reden ist nicht immer die Lösung“ sein, die noch bis 12. März 2017 zu sehen ist.


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