12. September 2018

News

Nachruf Almir Mavignier
(1925–2018)

Text: Jörg Stürzebecher

Die konstruktiv-konkrete Kunst hat er auf den Punkt gebracht. Was wörtlich zu nehmen ist, denn der Punkt, der sich sowohl in die Fläche wie auch in den Raum ausdehnt, war sein Stilmittel. Was dazu führte, dass seine Bilder leicht erkannt werden konnten, aber auch dazu, dass er stilistisch keine Schule bildete. Nun ist Almir Mavignier, Ulmer Grafiker und Künstler, in Brasilien geboren und seit Langem in Hamburg wirkend, am 3. September 2018 gestorben.

 


 

Mavignier gehörte 1948 zu den Begründern der Gruppe der Konkreten in Rio de Janeiro, zu den ersten Studierenden an der HfG Ulm und somit zusammen mit Alexander Wollner und Mary Vieira zu der kleinen Gruppe von brasilianischen Gestaltern, die dem Kuhberg früh Internationalität über Europa hinaus verschafften. Das bemerkte auch das Heft 13/1956 der Zeitschrift Brigitte, die in einem frühen Bericht über Ulm und die dortigen Studentinnen auch den Studenten Mavignier vorstellte. Der war von der Persönlichkeit und Vielseitigkeit Max Bills sehr beeindruckt, betonte auch immer wieder, dass Bill seinerzeit keinesfalls nur auf die eigene Bedeutung hinwies, sondern auch auf Leistungen anderer wie Richard Paul Lohse. Für die Streitigkeiten um den richtigen Ulmer Weg, die zum Weggang Bills führten, war Mavignier zu zurückhaltend, er malte, hatte früh Kontakt zur Zero-Gruppe und den jugoslawischen „exakten Tendenzen“ und bald auch Erfolg in der Kommunikationsgrafik. Hier waren es zunächst die Plakate für das zeitgenössische Kunst ausstellende Studio F in Ulm, für das Mavignier viele Plakate entwarf. Seine Suche nach dem charakteristischen Ausschnitt, dem Pars Pro Toto, hat hier ihren Ausgangspunkt.



 

1965 wurde er in Hamburg Professor und erreichte unter anderem durch Briefmarkenentwürfe ein großes Publikum. Seine Position, freie und angewandte Gestaltung nicht als Gegensatz aufzufassen, wurde etwa durch den Stankowski-Preis gewürdigt. Große Retrospektiven, wie die im Essener Plakatmuseum (1981) und dem heutigen Museum Angewandte Kunst in Frankfurt (2004), zeigten sein Lebenswerk. Die ihn kannten, werden seine leise Freundlichkeit, die mit Bestimmtheit in der Sache einherging und seine Hilfsbereitschaft vermissen. Was bleibt, ist die Freude an seinen Arbeiten.



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