18/07/08
Turin: 138 Vorträge und eine Agenda
Text: Hannah Bauhoff (redaktion@form.de)
Welche Auswirkungen hat die Globalisierung auf das Design? Wie können Gestalter die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungsprozesse begleiten und beeinflussen? Mit diesen Fragen eröffnete Ezio Mazini, von der Politecnico di Milan, die internationale Design-Konferenz „Changing the Change“, die im Rahmen der Veranstaltungsreihen der World Design Capital vom 10. bis zum 13. Juli 2008 in Turin stattfand. Über 300 Teilnehmer aus 27 Ländern diskutierten bei strahlendem Sonnenschein das Konferenzthema „ design and sustainability“ – also Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und Umweltverträglichkeit.
138 Vorträge von internationalen Forschern zeigten eine Bandbreite von Denkansätzen und Forschungsmethoden. Deutlich wurde vor allem eins: Die Globalisierung in ihren verschiedenen Formen – Klimawandel, rasante ökonomische Veränderungen und Ressourcenmangel – ist längst Realität und hat bereits große Auswirkungen auf Design-Prozesse, wie Chris Ryan von der Melbourne University am Beispiel der australischen Kohlegewinnung anschaulich darstellte. Impulsreferate aus Indien, Japan, Brasilien, Afrika und China zeigten, wie unterschiedlich die Design-Welt auf die veränderte Lebensformen, neue Produktionsmöglichkeiten und Auswirkungen des Klimawandels reagieren. Während Mugendi M’Rithaa (Cape Peninsula University of Technology, Kapstadt) eine Rückbesinnung Afrikas auf seine Wurzeln, Gestaltungstraditionen und -reichtum empfahl, zeigte Lou Yongqi (Tongji University Shanghai) wie China durch Kooperationsprojekte mit Europa und durch Wissenstransfer die chinesischen Globalisierungsprobleme zu lösen versucht.
Doch trotz weltweiter Aktivitäten und vieler individueller Konzepte wurde deutlich, was im Design fehlt: Eine stärkere interdisziplinäre Vernetzung und vor allem eine gemeinsame, globale Vision von innovativen Lebensmodellen für das aktuelle Jahrhundert. Offene Diskussionsrunden mit Vorträgen von Bill Moggridige von Ideo oder Josephine Green von Philips Design sowie sechs interaktive Workshops führten zu einer Liste von zukunftsrelevanten Themen und Forschungsprojekten – einer „design research agenda for sustainability“, wie Ezio Manzini am Konferenzende postulierte. Der Inhalt dieser Agenda, Einfluss von neuen Produktionsmöglichkeiten, interdisziplinäre Vernetzung von Gestaltern sowie die zukünftige Rolle des Designers, gilt es genauer zu erforschen. Dafür gab diese Konferenz den Startschuss.
http://www.changingthechange.org