Wieder ganz in Weiß
Ade roter Porsche und blauer Golf! Deutschland fährt wieder weiße Autos. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden 2007 rund 30 Prozent mehr weiße Autos zugelassen als im gesamten Vorjahr. Hersteller wie Porsche und BMW werben sogar mit weißen Autos. Was ist da los auf dem deutschen Automarkt?
Richtig: Die Lackfarbe Weiß gibt es nicht erst seit gestern. Gerade in Deutschland hat Weiß als Automobilfarbe eine geradezu historische Bedeutung: Denn bis in die 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts war Weiß die „Nationalfarbe“ der deutschen Rennwagen, bis sie, um Gewicht zu sparen, durch das polierte Aluminium der legendären Silberpfeile abgelöst wurde. Eine letzte Renaissance erlebten weiße Wagen in den 80er-Jahren, als Sascha Hehn in der Schwarzwaldklinik mit dem Tennisschläger in der Hand beherzt in sein weißes Golf-Cabrio sprang.
Doch schnell wurde dieses Vorbild als peinlich empfunden und in den letzten Jahren waren weiße Fahrzeuge eindeutig die Ladenhüter unter den Gebrauchten. Bei den Neuwagenzulassungen lag ihr Anteil im Promillebereich.
Coporate contra Wiederverkaufswert
Jetzt sind sie plötzlich wieder gefragt, die freundlichen weißen Autos. Warum dieser Sinneswandel? Zum einen haben die Polizei und verschiedene Großunternehmen ihre Flottenfarbe in den letzten Jahren von Weiß auf Silber umgestellt – paradoxerweise, weil sie so einen höheren Wiederverkaufswert zu erzielen hoffen. Der Käufer jedoch registriert nur „Weiß ist nicht mehr Dienstfahrzeugfarbe“ und greift privat wieder zum weißen Auto. Da beißt sich also die Katze in den Schwanz. Merke: Egal, welche Farbe Polizei und Unternehmen für ihre Autos wählen – sie beschleunigen damit den Niedergang der jeweiligen Farbe und schmälern den Wiederverkaufswert zumindest mittelfristig automatisch. Das gilt sogar für den heutigen Spitzenreiter Schwarz: Denn als die Taxis in Deutschland noch schwarz waren, waren auch schwarze Autos für die private Nutzung nahezu tabu.
Die Farbpsychologie der LOHAS
Auf der anderen Seite wird das Vergnügen am Automobil durch Debatten um Rußfilter, CO2-Werte und Umweltzonen in den Innenstädten allgemein geschmälert. Sofort rührt sich das schlechte Gewissen, wenn die mittlere Strecke mal mit dem Auto und nicht mit der Bahn bewältigt wird. Zum Glück hat die Automobilindustrie verstanden und stellt heute Fahrzeuge her, die im wahrsten Sinne des Wortes sauberer sind. Die neuen Modelle sind spritsparend und arbeiten mit neuen Abgastechnologien. Zum Wohle der Umwelt und des ökologischen Gewissens der Käuferinnen und Käufer.
Der Metatrend des „Lifestyle of health and sustainability“, kurz: LOHAS, verbindet gesundheitsbewusstes Leben und Verantwortung für die Umwelt mit dem gleichzeitigen Anspruch, das Leben genießen zu wollen. Das führt zu einer erhöhten Nachfrage von wirtschaftlich, gesundheitlich und ökologisch sinnvollen Produkten und Dienstleistungen – wie zum Beispiel nach modernen und schnellen Fahrzeugen, die gleichzeitig die Umwelt möglichst wenig belasten. Zu diesem Lebensstil passt Weiß aus farbpsychologischer Sicht ganz hervorragend. Denn in der Farbpsychologie steht Weiß vor allem für Reinheit und Sauberkeit, aber auch für Unschuld und Einfachheit. In der Farbsymbolik wird Weiß unter anderem mit Vollkommenheit, dem Guten und Göttlichen gleichgesetzt. Positiver kann eine Farbe kaum belegt sein. Wer also ein weißes Auto fährt, der signalisiert zumindest unterbewusst, dass er ein umweltbewusster Mensch ist.
So erklärt sich auch, warum nicht nur Weiß, sondern auch andere Luftfarben wie Hellblau, Hellgrau oder die verschiedenen Silberschattierungen im Kommen sind.
Hinzu kommt, dass Weiß im Consumer-Electronics-Bereich ohnehin gerade eine Renaissance erfährt. Weiß ist angesagt. Und der weiße Golf passt einfach viel besser zum I-Book und zur neuen Designer-Kaffeemaschine.
Fotomaterial von den Herstellern
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