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Sonderhefte

 

 
 

Baden mit Borat

Text: Cornelia Durka (form@form.de)

Exklusiv für form hat der englische Grafik-Designer Andrew Rae seinen phantastischen Ideen zum Thema Baden freien Lauf gelassen. Mit seinem charmanten Panorama erzählt Rae auf den folgenden Seiten die Geschichte des Badens mit typisch britischem Humor. Aber sehen Sie selbst!

Grotesk, faszinierend und immer ein wenig finster geht es zu in den Szenen, die der britische Illustrator gerne mit Laborzubehör, Kabeln und absurdem In-strumentarium anreichert. „Perverted Science", der Titel einer Veranstaltung im Londoner Club 333 in Shoreditch, wo Andrew Rae 1998 mit der Gestaltung von Flyern seine Karriere begann, ist immer noch eine treffende Beschreibung für das große Thema seiner Arbeiten. Raes Fähigkeit, scheinbar zusammenhanglose Dinge in Narrationen zu verstricken, kommt besonders gut in seinen Wimmelbildern zur Geltung. Nicht umsonst nennt er Pieter Brueghel den Älteren und Hieronymus Bosch als Inspirationsquellen. Seine abgebildete Illustration erzählt, Boschs „Garten der Lüste" formal gar nicht mal so unähnlich, die Geschichte des Badens. „Naja, meine Version davon", korrigiert Andrew Rae. Die Szenerie wird bevölkert von Gestalten und Elementen aus allen Informationskanälen. Da fließt der Styx aus der Unterwelt der griechischen Mythologie, und am Ufer steht Joseph Bazalgette, Ingenieur des Londoner Abwassernetzwerks. Eine Frau im roten Bikini nimmt eine saure Dusche unter einer Riesenversion von Starcks Zitronenpresse Juicy Salif. Weltalltouristen treiben in der Schwerelosigkeit, man entdeckt den kasachischen Fernsehreporter Borat in seiner giftgrünen, geschmacklosen Badehose, und im mittleren Bild ist ein gigantischer Hummer-Jeep gelandet, mit Pool auf der Ladefläche, inklusive Bikini-Mädchen, direkt aus einem Hip-Hop-Video. Schaut Rae selbst viel fern? „Ja. Kann man, glaub ich, so sagen." Die Assoziationen entwickelt er beim Zeichnen: „Ich fange mit meinem Thema einfach an, und während ich zeichne, kommen die Ideen, dann kommen immer mehr Details dazu und zwischendurch recherchiere ich ein wenig." Dafür ist das Internet ihm eine wichtige Quelle, seine Sammlung alter Enzyklopädien und naturwissenschaftlicher Lehrbücher. In seinen Arbeiten paart Andrew Rae, der in Brighton Illustration studiert hat, den lakonischen Humor seines Kollegen David Shrigley mit den düsteren Bildwelten von Marcel Dzama. Rae gelingt es, mit seinem zutraulichen, etwas naiv gezeichneten Filzstift-Stil seine sonderbaren Szenen witzelnd und ironisch aufzubereiten. In England erscheinen seine Zeichnungen unter anderem im „Guardian", er übernahm Wandgestaltungen für Selfridges in London, arbeitet für Musiker und Plattenlabels. Richtig bekannt wurde er in England als Art Director der Cartoonsendung „Monkey Dust" auf BBC3. Es folgten weitere Aufträge für Animationen. MTV Asia ließ die gesamte On-Air-Identity von ihm zeichnen. Rae schätzt diese Arbeit, weil sie ganz anderen Prozessen folgt: Animation heißt Teamarbeit - eine Abwechslung zur einsamen Zeichnerei. Deshalb arbeitet Rae auch in einer Studiogemeinschaft namens „Peepshow Collective" in London. Dort arbeiten zehn Illustratoren und Designer an analogen und digitalen, kommerziellen und freien Projekten. Für Channel Four hat Andrew Rae gerade eine neue Animation fertiggestellt. Für Mesh, eine Plattform für digitale und interaktive Animation, die seit 2001 besteht, entwickelte er den Trailer. Ein auf Rae zugeschnittener Auftrag: „Der Großteil meiner Zeichnungen findet früher oder später seinen Weg in den Computer. Als nächstes möchte ich deshalb eine Ausstellung realisieren. Mit ganz normalen Zeichnungen."

www.andrewrae.org
www.peepshow.org.uk 


 
 
 
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