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Sonderhefte

 

 
 

Ausweitung der Bauzone

Text: Oliver Herwig

Designer bauen selten Häuser, aber viele Architekten entwerfen Möbel. Eine Frage des Egos? Oder sind Architekten die besseren Gestalter?

Alle großen Architekten hatten eine fatale Schwäche – und zwar für die Dinge des Alltags, für Stühle, Tische, Sofas oder Vasen. Ob Alvar Aalto, Frank Lloyd Wright, Antonio Citterio, Walter Gropius oder Mies van der Rohe: Wer die Designgeschichte des 20. Jahrhunderts Revue passieren lässt, könnte gar auf den Gedanken kommen, dass alle Ikonen der Moderne aus Architektenhand stammen.

Für so viel Gestaltungsüberschuss der Baumeister mag es eine Erklärung geben: Wer gewohnt ist, das große Ganze im Blick zu haben, arbeitet perfektionistisch bis in die Details des Gesamtkunstwerks namens Haus. Bei Frank Lloyd Wright verschmolzen Raum und Interieur zu einer Inszenierung, der kleine Mann mit dem große Ego staffierte seine Häuser bis ins Letzte aus und gab seinen verdutzten Auftraggebern gar die Farbe ihrer Socken und Krawatten vor. Noch heute sind manche Architekten mit einem ähnlichen Ego ausgestattet, das sie zu Sätzen wie diesen verleitet: „Architektur ist mehr als nur das Gebaute, Architektur ist die dreidimensionale Gestaltung unserer Kultur“, sagt Wolf D. Prix von Coop Himmelblau. Dazu zählt dann eben auch Design. Dennoch hielten sich die Wiener bislang beim Design zurück, ganz im Gegensatz zu ihren Kollegen. Michael Graves stählerner Flötenkessel mit dem lustigen roten Plastikvögelchen etwa prägte in vielen Haushalten das Bild der Postmoderne. Zaha Hadid gestaltet Schuhe, Handtaschen und Leuchten, Norman Foster sogar Yachten und den beliebten Londoner Doppeldeckerbus. Die Architekten dehnen ihre Gestaltungssprache und ihren Gestaltungsanspruch weit in den Alltag aus. Wer etwa Ben van Berkels Sofa Circle (Walter Knoll) sieht, muss unwillkürlich an sein Grazer Musiktheater von 2008 und dessen rote, lackierte Stahltreppe denken, die wie eine Zunge durch das Haus stößt.

Designer nehmen sich gerne zurück und scheinen ihre Handschrift manchmal gar zum Verschwinden zu bringen, Architekten hingegen lieben die große Geste und den betont skulpturalen Entwurf. Architektur ist einmalig und auf einen konkreten Ort bezogen, Design hingegen ubiquitäre Massenfertigung. Die Unterschiede vollziehen sich also nicht im Maßstab, sondern eher in Haltungen, die Räumen und Dingen entgegengebracht werden. Architektur und Design berühren sich, befruchten sich, suchen eine gemeinsame CAD-Sprache. Nur die Materialien sind noch verschieden. Vielleicht sollten in Zukunft mehr Designer Architektur machen. Das notwendige Ego brächten auch sie mit.  

Zaha Hadid für Lacoste
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Norman Foster für Louis Poulsen
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SauerbruchHutton für das Museum Brandhorst in München.<br />
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