Die grossen Bad Trends 2011
Text: Frank A. Reinhardt, Claudia Wanninger
(
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Bäder werden immer wohnlicher: So simpel sich der Megatrend 2011 anhört, so revolutionär sind seine Auswirkungen auf die Sanitärbranche und die konzeptionellen Möglichkeiten für die Badgestaltung. Entsprechend steigen auch die Erwartungen an die Ästhetik und die funktionale Ausstattung. Zu den wichtigsten Zukunftstrends gehören „Bathroom Interior“, „Green Bathroom“ und „Easy Bathroom“. Dabei geht es um funktionsdifferenzierte Raumkonzepte „weg von der Wand“, um nachhaltige Badgestaltung „zurück zur Natur“ und um das Konzept eines Komfortbades, das das Leben für alle Generationen leichter macht. Ein Trendbericht.
Bathroom Interior: Weg von der Wand!
Die Zukunft des Bades liegt im Spiel mit dem Raum. Dabei geht es weniger um stilistische Kategorien wie „Landhausbad“, „Urban Style“ oder „Retro-Chic“ als um den Entwurf unterschiedlicher Raumkonzepte. Nicht mehr, wie ich die Wand bestücke, sondern wie ich das Zimmer räumlich auffasse und funktional aufteile, ist dann die entscheidende Frage, die sich Hausbauer und Badplaner stellen müssen. Wie Küche und Wohnzimmer werden Bad und Schlafbereich immer häufiger als zusammengehörend empfunden und als ineinander übergehende Räume realisiert. Nicht nur der Trend zum Homing ist dafür verantwortlich, auch die Hotelkultur mit ihren oftmals originellen Designlösungen für wohnlich-behagliche Arrangements hat die Erwartungshaltung an das private Bad geprägt. Moderne Programme sind heute auf die individuelle Umsetzung von Raumkonzepten ausgerichtet. Mit ihnen lässt sich das Bad in verschiedene Zonen unterteilen, etwa in einen mit Dusche und WC ausgestatteten Bereich zur Reinigung und einen zur Entspannung. Aber es geht nicht nur um Trennwände, Schiebetüren und vielfältige Holzdekore, die das Baddesign mit den übrigen Wohnbereichen verbinden. Der Wandel ist tiefgreifender und zieht sich bis hinunter zu Konzeption und Design der Produkte selbst.
Damit ist das Baddesign nicht allein, denn auch in anderen Wohnbereichen wird der Raum offener aufgefasst. Dadurch kommt auch in kleinere Grundrisse mehr Großzügigkeit, und die Zusammenlegung der Wohnbereiche, in denen das private wie das gesellige Leben stattfindet – Wohnen, Arbeiten, Essen und Kochen – findet einen Niederschlag unter anderem in einem offenen Küchen-Layout. Wände werden auf- oder abgebrochen und durch Kücheninseln, Raumtrenner, Sofasysteme, Schränke und Regale ersetzt.
Möbel übernehmen zunehmend die Aufgabe, Zonen und Funktionen zu differenzieren. Das ist im Bad nicht anders. Daher wird modernes Baddesign Produkte bevorzugen, die diese architektonische Qualität besitzen; mit ihnen lässt sich eine eigene Atmosphäre generieren, Intimbereiche lassen sich abtrennen. Dabei geht es nicht in erster Linie um Effizienz, sondern um Aufenthaltsqualität und eine bedarfsabhängige Zonierung des größer gewordenen Platzangebots. Körperpflege wurde in unserem Lebensstil aufgewertet, da sie nicht nur der Hygiene dient, sondern auch dem Genuss und der Entspannung: Sie wird immer stärker ausdifferenziert in unterschiedliche Teilfunktionen wie Toilette, Reinigung und Erfrischung, Gesichts- und Schönheitspflege, Tagesroutinen, Abschalten und Entspannen, Ankleiden und sogar Fitness oder Geselligkeit. „Bathroom Interior“ heißt, nach individuellen Lösungen zu suchen, um die Raumaufteilung den Gewohnheiten und Idealvorstellungen Einzelner anzupassen.
Green Bathroom: Zurück zur Natur!
Es sind die einfachen Dinge, die den Traum von einem „grünen“ Bad ausmachen: an einem schönen Morgen barfuß über einen taunassen, moosweichen Rasen gehen, der gleich hinter den gläsernen Flügeltüren wartet; das weiche Wasser einer Schwallarmatur mit den Händen auffangen; eine Dusche wie ein Sommerregen; glatt gelaufene Holzdielen, die nach Kiefernwald duften.
Dabei dürfte klar sein, dass die Gestaltung eines „Green Bathroom“ nicht ganz so einfach ist, wie wir es uns in dem romantischen Bild eines naturnahen, ursprünglich anmutenden Lebensstils ausmalen. Der Weg zu einem nachhaltigen Badezimmer führt im Gegenteil über technisch hochkomplexe Produkte und Technologien. Das Green Bathroom ist ein Zukunftskonzept, das Wasser und Energie sparende Produkte, umweltschonende Industrieproduktion, nachhaltigen Materialeinsatz und ein langlebiges Design optimal kombiniert.
In der Hauptsache zielen nachhaltige Produktkonzepte auf die Reduktion des Wasserverbrauchs, der im Badezimmer häufig mit Energieeinsatz zur Wassererwärmung verbunden ist. Mit Durchflussbegrenzern, Perlatoren, Duschstopps und moderner Brausetechnik, bei der kleine Luftblasen in die Wassertropfen eingeschlossen werden, um ein besonders weiches, üppiges Duschgefühl zu erzielen, kann der Wasserbedarf ohne Komfortverlust stark reduziert werden. Darüber hinaus helfen Einhandmischer und komfortable Thermostatarmaturen, Einregelungsverluste zu minimieren.
Nachhaltigkeit im Bad ist aber auch eine Frage des Verhaltens. Es fängt beim Drücken der Spartaste am Spülkasten an und endet bei der Gewissensfrage: baden oder duschen? Zum Glück gibt es inzwischen Badewannen mit cleverem Design und ergonomischer Innenform, die weniger Volumen für einen hohen Füllstand benötigen. Gleichwohl ist Duschen deutlich sparsamer: Im Schnitt braucht ein Vollbad 3- bis 4-mal mehr Wasser und Energie als eine heiße Dusche. Ein Vollbad ist nun einmal ein ganz besonderer Luxus – nicht nur unter Umweltschutzaspekten.
Aber es geht im Green Bathroom nicht nur darum, Wasser zu sparen. Wasser bedeutet auch Lebenslust und Sinnlichkeit – vor allem in einer modernen Badkultur. Die Beliebtheit formschöner Armaturen, die das Wasser sinnlich inszenieren und natürlich wirken lassen, zeigt, wie wichtig den Menschen der Kontakt zum Lebenselement Wasser ist. Schwallarmaturen, von denen inzwischen auch sparsame Modelle erhältlich sind, und drucklos wasserspendende Armaturen lassen das technisch aufwendige Innenleben vergessen und rücken uns den großen Wert der Ressource Wasser ins Bewusstsein.
Vergleichsweise leicht haben es Anhänger des Green Bathroom bei der Materialwahl ihrer sanitären Ausstattung: Es gibt kaum ein Material, das produktionstechnisch und baubiologisch unbedenklicher sowie qualitativ haltbarer ist als Sanitärkeramik. Höchstens die Badewanne oder Duschfläche aus Stahlemail ist noch unverwüstlicher und langlebiger. Bei von einigen Herstellern gewährten Garantien von bis zu 30 Jahren erscheint sogar die energieaufwändige Stahlemailproduktion wieder in einem versöhnlicheren Licht. Das macht deutlich, wie wichtig zeitloses Design und Qualitätsprodukte im Bad sind – denn das nachhaltigste Bad ist eines, das lange hält und ebenso lange schön ist.
Easy Bathroom: Einfacher geht’s nicht!
Heute will niemand mehr ins Seniorenheim. Lieber hätte man so ein schickes neues Badezimmer mit Wellness-Badewanne, Ruhebank und moderner großer „Walk-in-Dusche“, und manch einer träumt auch von einem Schminktisch mit großem Spiegel. Alles natürlich in Holz, Steinoptik oder Terracotta. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Viel – für viele sogar alles. Dabei geht es nicht um Geschmacksfragen, sondern um ein entscheidendes Stück Lebensqualität. Immer mehr Menschen erkennen, dass im Bad die Weichen für ein langes selbstbestimmtes Leben gestellt werden. Damit kann man nicht früh genug anfangen.
Gesucht wird in Zukunft also ein Bad, das den Ansprüchen ganz unterschiedlicher Nutzer gerecht wird und sich dem wandelnden Bedarf anpassen lässt. Ein „Easy Bathroom“, einfach, praktisch und dazu noch schön. Zeitlos schön: Ein Zimmer für junge und für alte Menschen, die sich nicht alt fühlen. Handicaps, gleich welcher Art, dürfen bei der Planung eines Bades nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr muss alles das weggelassen werden, was Einzelne diskriminieren würde. Die Kunst liegt in der Reduktion.
Auch optisch muss heute nichts mehr an ein Reha-Zentrum erinnern. Der immer noch dominante Trend zur minimalistischen Einrichtung und zum XXL-Duschen, aber auch der zunehmende Wunsch nach Integration des Bades in den Wohnraum kommt einer altersgerechten Badeinrichtung prinzipiell entgegen. Bodengleiche Duschwannen, abgerundete Kanten und rutschhemmende Oberflächen, Bodenbeläge und Fliesen schützen dabei nicht nur gebrechliche Menschen, sondern auch die Jüngsten vor Verletzungen. Und ein niedriger Waschtisch mit breiten Ablageflächen, die zum bequemen Schminken einladen und die tägliche Körperpflege wie auch die kleine Wäsche zappelnder Kleinkinder erleichtern, kommt allen zugute. Wenn das Platzangebot stimmt, können solche „Universal Design“-Bäder auch im Nachhinein mit wenig Aufwand noch barrierefrei ausgebaut werden.
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