Nº 256
Editorial

Design.

Im August 2014 wurde das endgültige Aus der gedruckten Ausgabe des Brockhaus-Lexikons bekannt gegeben. Damit endet nach 21 Auflagen und über 200 Jahren eine kultur- und designgeschichtliche Ära. Auch wenn der Brockhaus noch eine Weile online weitergeführt werden soll und sich damit den heutigen Aktualisierungsbedürfnissen anpasst, der große Konkurrent Wikipedia, der unumstrittene Rechercheliebling der Netzgemeinde, gibt hier längst die Taktung vor. Nun ist der gedruckte Brockhaus nicht das erste Produkt, das das Schicksal des allmählichen Verschwindens ereilt. Würde das 1995 von Bruce Sterling initiierte Dead Media Project noch regelmäßig fortgeführt, verzeichnete es immer noch regelmäßig prominente Zugänge, und auch außerhalb der Medienwelt sind immer mehr Produkte von der digitalen Auf- und Ablösung betroffen.



Kontext.

Nun kann es hier nicht darum gehen, in Sentimentalitäten zu verfallen und Formaten nachzutrauern, deren Zeit offenbar abgelaufen ist. Interessant – gerade für das Design – ist vielmehr, welche Konsequenzen das Verschwinden hat. Durch das Leben mit und in Versionen (statt beispielsweise in Auflagen) gerät in der digitalen Welt tagtäglich unendlich viel Wissen in Vergessenheit. Ein digitaler Kollateralschaden gewissermaßen. Das widerspricht der derzeitigen Datenschutzdiskussion um das Recht auf Vergessenwerden keineswegs, sondern sollte diese erweitern. Denn ebenso wie das Selbstbestimmungsrecht über die eigenen Daten sollte es uns wichtig sein, wie wir Wissensstände bestimmter Zeitpunkte und Räume zukünftig nachvollziehbar halten können. Aktualisierungsmodi gehen jedoch meist mit der Überschreibung und endgültigen Löschung einher. Das Wissen um historische (Daten-) Zustände, deren Nachvollziehbarkeit und die Chance, sich vergangene kulturelle Techniken wieder aneignen zu können, ist aber für Mensch und Maschine gleichermaßen überlebensnotwendig. Allein schon die vergleichsweise banale Möglichkeit des Zurücksetzens auf die Werkseinstellungen hat schon so manchem Besitzer eines Devices das (digitale) Leben gerettet.



Situation.

Dass beim Umgang mit Ressourcen noch komplexere Anforderungen bestehen, weil diese sich nicht so einfach auf die Werkseinstellung zurücksetzen lassen, zeigt sich beispielhaft bei unserem Schwerpunktthema „Wasser“. Design hat die wichtige Aufgabe, durch Forschung (Research), Entwicklung (User Experience) und Recherche (Material) Grundlagen zu schaffen, Grundlagen, deren Entwicklung wir mit jeder Ausgabe dokumentieren und damit in jedem Sinne nachvollziehbar halten.

 

Einem Teil der Auflage liegt ein Poster mit den diesjährigen Finalisten des Output Award bei, das von Stefan Wagner gestaltet wurde. Mit dieser Ausgabe findet auch – als regelmäßige Leser haben Sie es schon geahnt – das Rätsel um die kryptisch scheinenden Zeichen auf den Heftrücken seine Auflösung. Für den Fall, dass sich in Ihrem Regal nun die eine oder andere unerquickliche Lücke auftun sollte, halten wir – im Gegensatz zu den Herausgebern des Brockhaus’ – auch zukünftig unsere Printausgaben (und Poster) für Sie bereit. shop.form.de – man kann ja wissen.



Stephan Ott, Chefredakteur

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Nº 273
Designing Protest

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LOGO.
Die Kunst mit dem Zeichen

Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt


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Risoprints by Sigrid Calon

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