Nº 256

Research

Remote Material Deposition

VAWTs by Turbina

Sinneswandel




Remote Material Deposition

dfab.arch.ethz.ch

 

Im Rahmen der Professur für Architektur und Digitale Fabrikation der ETH Zürich untersuchen Fabio Gramazio und Matthias Kohler seit 2005 die Auswirkungen der sich verändernden Produktionsbedingungen auf die Architektur. Derzeit läuft das Forschungs- und Lehrprojekt Remote Material Deposition (RMD). Es gründet auf der Idee, mit dem Werfen von Baumaterial den eingeschränkten Arbeitsbereich eines stationären Roboters zu erweitern, ihn direkt auf Baustellen einzusetzen und den gesamten Bauprozess auf diesen Roboter zu basieren. Da beim Werfen von plastisch verformbarem Material die sich ergebenden Strukturen nicht vorherberechnet werden können – im Unterschied zum Beispiel zu einer robotergebauten Ziegelsteinwand – wurde parallel ein digitales Feedbacksystem entwickelt, das die tatsächlich entstehende Struktur permanent ausliest und notwendige Anpassungen vornimmt, um die digital entworfene Struktur zu realisieren. Wie fast alle robotergestützten Bauprozesse muss auch dieser dynamisch beziehungsweise adaptiv durchgeführt werden, weil die verwendeten Materialsysteme niemals der Exaktheit der Roboterfabrikation beziehungsweise CAD-Planung entsprechen und sich individuelle Materialabweichungen beim Bauen schnell aufaddieren. Das Bauen passt sich also dem Material an. Ganz abgesehen davon, geht es den Leitern des Projekts auch um ein „weiches“ Entwerfen, wonach das architektonische Ziel oder Objekt sowieso anpassbar gedacht werden soll. Im Juli 2014 wurde die roboterbasierte Fabrikationsmethode mit Studierenden in einer architektonischen Installation im Maßstab 1:1 realisiert. In dem gemeinsam mit dem Sitterwerk St. Gallen durchgeführten Workshop ging es vor allem darum, die ästhetischen und tektonischen Potenziale konkret zu analysieren und zu diskutieren. Das Projekt soll fortgesetzt werden: Es wird über eine weitere Ausstellung und eine langfristige (interdisziplinäre) Forschung nachgedacht, die größere Maßstäbe betreffen könnte, wie Landschaftsarchitektur, aber auch den Materialwechsel von Lehm zu betonartigen Aggregationen oder ganz neue, unbekannte architektonische Typologien. Mehr zu roboterbasierten Bauprozessen siehe auch form 253, S. 22.




VAWTs by Turbina

turbina.de

 

Bei einer Vertikalachswindturbine (VAWT) steht die Achse, wie der Name schon sagt, vertikal. Sie funktioniert anders als die – meist bekanntere – Horizontalachswindturbine (HAWT), die unter anderem in großen Windparks steht und deren sternförmiger Rotor mit meist drei Blättern ausgestattet ist, die vor einem Mast oder Turm um eine horizontale Achse rotieren. Ein Vorteil von VAWTs ist, dass die Drehbewegung normalerweise unabhängig von der Windrichtung ist; sie benötigen also keine Windrichtungsnachführung. Da Vertikalachser allerdings eine geringere Leistung haben, sind sie im großtechnischen Einsatz zur Stromerzeugung nicht zu finden. Ihre Einsatzgebiete liegen vor allem in Bereichen, in denen nur eine vergleichsweise niedrige Leistung benötigt wird und in denen es insbesondere auf eine einfache Bauweise und Unempfindlichkeit ankommt. Das Unternehmen Turbina setzt mit seinen Kleinwindkraftanlagen dieser Bauform auf Stromversorgung für den Eigenbedarf. Privat- und Firmenkunden soll mit den Turbinen eine wirtschaftliche, unabhängige und ganzjährige Stromversorgung ermöglicht werden. Eine Kombination aus Stator- und Rotorblättern liefert bereits bei schwachem Wind einen Energieertrag und arbeitet leiser als mancher Kühlschrank. Die Technologie wurde seit 2006 in Bosnien entwickelt, seit 2009 werden die Anlagen des Unternehmens – mit mittlerweile deutschem Sitz – auf allen fünf Kontinenten und unter allen Wetterbedingungen genutzt. Turbina wird geleitet von Aleksandar Vucak, Joachim Hausser und Marcus Kuchler. Das Design und die technische Basis werden von Kuchlers Agentur Marwin entwickelt. Die Ingenieure von Turbina setzen die technischen und elektronischen Funktionen um. Neben den 4-Kilowatt- und 1-Kilowatt-Turbinen sollen demnächst auch 500-Watt-Turbinen hergestellt werden. Ihre Entwicklung wird voraussichtlich Ende 2014 abgeschlossen. Sie sollen Hütten, Wohnmobile und Schiffe versorgen, drahtlose Netzwerke erweitern und weltweit Elektrizität auf noch unerschlossenen Flächen erzeugen.




Sinneswandel

waldfee.org

 

Plakate und Leitsysteme sollen den Alltag im öffentlichen Raum erleichtern. Doch oft schließen sie blinde und sehbehinderte Menschen aus. Viele Informationen, die Händler und Dienstleister mit beispielsweise Schildern oder Tafeln kommunizieren, wie Angebote, Veranstaltungen oder Öffnungszeiten, können mit einer visuellen Beeinträchtigung nicht wahrgenommen werden. Auch bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel treten Probleme auf: Kurzfristige Änderungen im Fahrplan werden nur schriftlich auf den Anzeigetafeln der Haltestellen angezeigt. An diese Probleme knüpft ein Projekt von Annemarie Wald und Evelin Rakiec an: Ihre Anfang 2014 als Bachelor-Thesis an der Hochschule Mainz entstandene Arbeit besteht aus der barrierefreien App Sinneswandel, die Betroffenen helfen soll, ihre Alltagssituationen im öffentlichen Raum so selbständig wie möglich zu bewältigen, und der ergänzenden Veranstaltung „Tag des Sinneswandels“, die die App in der Zielgruppe bekannt machen und die allgemeine Öffentlichkeit auf das Recht auf Inklusion hinweisen soll. Das Konzept basiert unter anderem darauf, dass gerade das Einkaufen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein Bindeglied zwischen Nicht-Sehenden und Sehenden darstellt. Es ist als Pilotprojekt der Kommune Mainz ausgelegt. Derzeit sind Wald und Rakiec mit verschiedenen lokalen Verbänden in Kontakt und suchen nach Partnern für eine Umsetzung.

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