Nº 271
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Synthesizer en miniature

Text: Franziska Porsch

Spätestens seit den 1980er-Jahren sind Geräte zur elektronischen Klangerzeugung und -bearbeitung, wie Synthesizer und Sequenzer sowie Computer mit entsprechender Software, nicht mehr aus der Welt der Musikproduktion wegzudenken. 

Heute sind diese „Instrumente“ nicht nur kompakter, leistungsfähiger und einfacher zu bedienen, sondern legen auch großen Wert auf die Gestaltung. Wie sie aussehen und funktionieren, illustriert eine Auswahl an aktuellen Geräten.

 

Blocks

roli.com

 

Bereits 2014 erhielt das britische Unternehmen Roli für sein Seaboard Grand-Keyboard die Auszeichnung „Designs of the Year“ vom Londoner Designmuseum. Die Absicht, „neue Geräte zum Musikmachen für das digitale Zeitalter“ zu kreieren, verfolgt Roli auch mit seinem neuesten Produkt Blocks, das sie damit bewerben, dass „jeder damit Musik machen kann“. Die mit LEDs unterlegte Silikonoberfläche des zentralen Lightpad Block-Moduls wird über verschiedene Fingerbewegungen angesteuert: Durch Tippen, Drücken und Wischen können einzelne Sounds erzeugt und bearbeitet werden. Die Bedienung erfolgt in Verbindung mit der iOS-App Noise.fm, in der die verschiedenen Sounds hinterlegt sind sowie Loops und Songs aufgezeichnet werden können. Wer diese Funktionen nicht über die App ansteuern will, kann den Lightpad Block um den Loop und Live Block erweitern und sich so sein eigenes Musikstudio zusammenstellen – wo auch immer er gerade ist. Außerdem kann Blocks mithilfe der Software Blocks Dashboard auch als MIDI-Controller für gängige Digital Audio Workstation-Software wie Ableton Live oder Garageband genutzt werden.

 

PO-32 Tonic

teenageengineering.com

 

Seit 2015 bietet das Elektronikunternehmen Teenage Engineering aus Stockholm seine handtellergroßen und batteriebetriebenen Pocket Operator in verschiedenen Ausführungen an – von der Drum Machine bis hin zu Bassline- und Leadsynthesizer inklusive Sequenzer. Deren auf die technischen Bauteile reduzierte Erscheinung wird von spielerischer Grafik durchbrochen: Während man die Taster und zwei Potenziometer auf der blanken Platine bedient, werden passend dazu auf dem Display (hinter dem sich der Prozessor, der Digital-Analog-Wandler und der Lausprecher verbergen) Illustrationen animiert. Im Falle des PO-32 Tonic, dem aktuellsten Pocket Operator aus der Serie, sieht man eine Bar, an der sich ein alter Mann nach Genuss einer kleinen Flasche Tonic in einen Trommler verwandelt – so die Story. Aus den 16 hinterlegten Sounds lassen sich sogenannte Patterns programmieren, die sich wiederum sequenzieren lassen. Ein besonderes Feature des PO-32 Tonic ist die Möglichkeit der kabellosen Datenübertragung von Sounds auf den Pocket Operator per Mikrofon. Die 16 vordefinierten Klänge können so durch selbstgenerierte ergänzt werden.

 

Cell Music Gear

cmg.tokyo

 

Im Gegensatz zu anderen Geräten, deren Steuerung über Touchoberflächen funktioniert, kann der MIDI-Controller Cell Music Gear (CMG) von seinen Nutzern gehackt werden. Das heißt, die 3D-Touchsensoren und LEDs, die sich unter der Oberfläche befinden, sind programmierbar. Dementsprechend kann der CMG nicht nur universell eingesetzt werden, sondern gibt dem Musiker auch Freiheiten in der Bedienung. Neben einer seriellen Schnittstelle für die Programmierung gewährleistet die MIDI-Schnittstelle die Verbindung zur Digital Audio Workstation-Software auf dem Computer. Entstanden aus der Zusammenarbeit zwischen dem Instrumentendesigner Yoshihito Nakanishi und dem Sensorenhersteller Touchence, reagiert der CMG auf die Berührung mit der ganzen Hand sowie das Drücken und Streichen mit den Fingern. Die fünf Knöpfe dienen zum Wechseln zwischen verschiedenen Modi oder Tracks.

 

Zont

zontsound.com

 

Selbst als Industriedesigner und Musiker tätig, entschied sich Pavel Golovkin einen eigenen Synthesizer im Taschenformat zu entwickeln. Mit verschiedenen Soundmodulen ausgestattet, soll der Zont 2018 in den Regalen liegen. Wir haben Golovkin nach den Besonderheiten seines Synthesizers und zukünftigen Entwicklungen in der Musikbranche befragt.

 

Was unterscheidet Zont von anderen Synthesizern?

 

Als Gestalter ist mir bewusst, wie wichtig es ist, eine Umgebung und Instrumente zu schaffen, die einen inspirieren und durch ihr Design und ihre Funktionalität die eigene Kreativität fördern. Als Designer bin ich immer bemüht, nutzlose Dekoration zu vermeiden und meinen Fokus darauf zu richten, wie der Nutzer die Interaktion mit dem Produkt empfindet. Es ist entscheidend, die richtigen Proportionen und Materialien zu wählen, damit das Objekt ansprechend und attraktiv wirkt. Teenage Engineerings Pocket Operator sind bezaubernd, sie haben ein einzigartiges Produkt geschaffen, aber es bewegt sich noch auf Spielzeugniveau. Ich möchte ein fortschrittlicheres und professionelleres Instrument entwickeln, welches das Taschenformat beibehält.

 

Inwiefern verändert Zont die Art und Weise, Musik zu machen?

 

Mein Ziel ist es, eine neue Nische für Synthesizer zu schaffen, die Musikern ein neues Instrument mit moderner Funktionalität an die Hand gibt. Ich möchte neue Arten der Interaktivität und Konnektivität erschließen. Heutzutage ist alles synchronisiert, warum also kein Wi-Fi und Bluetooth im Synthesizer integrieren? Ich habe auch vor, noch andere Produkte unter der Marke Zont zu entwickeln, sowohl Hard- als auch Software.

 

Wie denkst Du, sieht die Zukunft der Musik aus?

 

Es wird definitiv mehr Firmen wie Roli und Artiphon geben, was großartig ist, und Musikproduktion wird sich zu 100 Prozent in einer digitalen Umgebung bewegen. Aber was ich für unwahrscheinlich halte, ist, dass künstliche Intelligenzen Musik machen werden.

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Nº 271. Gefahr
Mai/Jun 2017

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