14. Dezember 2017

Dossiers

Interview mit Olivia Lee:
Möbel für ein digitales Leben

Text: Malene Saalmann

Eine Handlung wird erst durch ihre definierte Wiederholung und einen erhöhten Symbolgehalt zu einem Ritual, wie etwa das morgendliche Kaffeekochen ein fester Bestandteil des Starts in den Tag sein kann. Rituale schaffen einen Rahmen und geben Halt und Orientierung.

 

Das Integrieren neuer Produkte in unseren alltäglichen Ablauf erfordert oft eine Anpassung unserer Handlungsweise. Sowohl die Interpretation bestehender als auch die Erschaffung neuer Rituale kann die Intention eines gestalteten Objektes sein. Objekt und Ritual beeinflussen, formen und bedingen sich gegenseitig.

Die Designerin Olivia Lee aus Singapur zeigt in ihrer The Athena Collection anhand verschiedener Möbel die Veränderung von Verhaltensweisen durch neue Technologien. So unterstützt laut Lee zeitgenössische Wohnarchitektur die neue Art der Bewegung durch den Raum, die durch die Nutzung von beispielsweise Smartphones bedingt wird, nicht. Die Möbelentwürfe aus der Athena Collection hingegen sind speziell auf diese Bewegungen abgestimmt, sodass die Struktur des Teppichs den Bereich der Bewegung mit einer Virtual Reality-Brille vermittelt oder der Schreibtisch Ablagemöglichkeiten für Geräte bietet. Darüber hinaus passen sich die Möbel in ihrer Multifunktionalität an die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von Smartphones an. Die Farbigkeit und die Haptik sind so gestaltet, dass sie einen Gegenpol zur digitalen Welt bilden und die Reize der physischen Welt in den Vordergrund rücken. Diese Haptik kann zudem mit bestimmten Schnittstellen zur digitalen Welt einhergehen.



 

Für welchen Zeitraum sind Deine Möbel bestimmt?

 

Die Kollektion ist für den heutigen Kontext sowie für die nahe Zukunft relevant. Es war eine bewusste Entscheidung, die Kollektion für eine nahe Zukunft zu gestalten, um einen direkten Bezug zu ermöglichen. Ich war mir bewusst, dass die Kollektion zu einer Art Science-Fiction werden würde, wenn sie zu spekulativ wäre. Stattdessen wollte ich, dass die Kollektion einfach widerspiegelt, auf welche Art Technologie bereits jetzt schon unsere Lebensweise beeinflusst.

 

 

Worin liegt für Dich die Macht neuer Rituale?

 

Rituale sind extrem mächtig, denn – bewusst oder unbewusst – prägen sie uns im Laufe der Zeit. Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass unsere Handlungen zu Gewohnheiten werden und unsere Werte beeinflussen und letztlich sogar über unser Schicksal bestimmen. Rituale sind beruhigende alltägliche Muster, die uns heilig, dabei aber nicht zwangsläufig religiös sind. Manchmal sind wir uns gar nicht bewusst, dass wir einem uns eigenen Ritual folgen, bis uns irgendjemand darauf aufmerksam macht. Ich finde es faszinierend, einen Schritt zurückzutreten und die Rituale, die wir im Laufe der Zeit entwickelt haben, zu analysieren und zu überarbeiten.



 

In welchem Kontext ist das Projekt entstanden?

 

Das Projekt ist aus einer Ermüdung entstanden von Projekten, die sich ausschließlich mithilfe des Ansatzes des Internet der Dinge (IoT) zukünftigen Wohnkonzepten widmen. Die meisten Visionen von Smarthomes erscheinen unmenschlich und klinisch. Der Focus liegt in den meisten Fällen darauf, vertraute Gegenstände zu nehmen und ihnen eine App, einen Sensor oder Wi-Fi aufzuzwängen. Als jemand, der Technologie begeistert annimmt, stimme ich nicht mit diesem Umgang überein. Also fing ich an, mich zu fragen, ob es möglich sei, ein analoges Smarthome zu entwickeln, in dem ein Stuhl ein Stuhl und ein Smartphone ein Smartphone bleibt, diese aber dennoch zusammenarbeiten, um unseren neuen Lebensstil zu unterstützen.

 

 

Wo siehst Du heutzutage die Verbindungen zwischen physischer und digitaler Welt?

 

Ich sehe mehr Trennung als Verbindungen zwischen der physischen und digitalen Welt. Ein einfaches Beispiel ist die Orientierungslosigkeit und die Bewegungskrankheit, die häufig beim Navigieren einer VR-Umgebung empfunden wird. Unsere Augen sind sehr sensibel für alle Zeitverzögerungen auf dem Bildschirm, sodass wir trotz atemberaubender Bilder eine fehlende Verbindung auf einer grundlegenden Ebene wahrnehmen. Momentan finden deshalb die meisten unserer digitalen Erfahrungen immer noch „hinter Glas“ statt. Für mich sind Augmented Reality (AR) sowie ton- und gestengesteuerte Formen für die Verbindung der digitalen und physischen Ebene sehr viel verträglicher. Je weniger Vermittler zwischen physischen und digitalen Interaktionen stehen, desto intuitiver und nahtloser wird die Erfahrung.

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