19. März 2018

Dossiers

Interview mit Paul Bouigue:
Sport 2 Racket

Text: Carolin Blöink

Für das Cover von form 275 zum Thema Sport durften wir die Arbeit des in Toulouse ansässigen Paul Bouigue verwenden. Das Visual entstand während der Arbeit an einem Fanzine zum Thema Schlägersport an der École nationale supérieure des Arts Décoratifs (ENSAD) in Paris. Der Grafikdesignstudent hat uns von der Entstehung des experimentellen Zines rund um Ping Pong und Co. erzählt, und außerdem, welche Themen ihn – neben skurrilen Alltagsituationen, die er in seinem Notizbuch festhält – gestalterisch weiterbringen.



 

Wie kam es zu dem Projekt „Sport 2 Racket“?

 

„Sport 2 Racket“ entstand als gemeinsames Projekt zusammen mit einem Freund, welches allerdings für den Input von Personen aus unserem Umfeld offen war, die sich mit Illustrationen, Texten oder Empfehlungen für die Konzeption des Magazins beteiligten. Uns war klar, dass das Fanzine sich mit Themenfeldern befassen sollte, die oft vernachlässigt werden und genauso nützlich wie humoristisch sein sollten. Die Idee entstand durch die Kombination von Bereichen, mit denen wir uns zu diesem Zeitpunkt persönlich beschäftigten, weshalb das Heft zu Schlägersport zustande kam. Momentan plane ich an weiteren Ausgaben zu anderen Themen zu arbeiten, deren Visualisierung stets mit neuen Techniken und Stilen weitergedacht werden soll.



 

Wie bist Du zur Illustration gekommen?

 

Ich habe schon seit meiner Kindheit einen Hang zur Illustration, wozu ich auch oft versuche einen Bezug herzustellen, da es mir auf nostalgische Weise viel bedeutet. Ganz allgemein gesprochen, mag ich es nicht, mich ständig zu wiederholen, was der Grund dafür ist, dass ich stets versuche, unterschiedliche Techniken, Prozesse und Ideen zu entwickeln. Das ist auf Dauer etwas anstrengend, da man, sobald man das Gefühl hat, etwas zu beherrschen, sich nach etwas Neuem umschauen muss.

 

 

Mit welchen Medien arbeitest Du bevorzugt?

 

Ich mag es, mit jedem neuen Projekt ein neues Medium auszuprobieren, auch wenn ich natürlich meine Favoriten habe. Ich mag es beispielsweise mit Open-Source-Software zu arbeiten, doch am meisten mit Papier, Buntstiften, Kugelschreibern und Filzstiften. Dann versuche ich mich an unterschiedlichen Stilistiken oder lasse mich von Illustrationen aus Büchern inspirieren.

Für eine gewisse Zeit hatte ich das Gefühl, in meiner Arbeitsweise zu stagnieren, da ich stets für alles die gleiche Software verwendet habe. Nun gehe ich die Dinge etwas anders an, ich befasse mich mehr mit dem Do-it-yourself-Bereich, experimentiere mit Musik, Klängen, Atmosphäre, mit dem Programmieren. Es gibt so viele Wege, ein Projekt zu finalisieren oder eine Idee umzusetzen, das möchte ich mir immer wieder bewusstmachen. Das Experimentieren bereitet mir im Gesamtprozess am meisten Freude, weshalb ich vermutlich so wenige Projekte abschließe. Generell kann Open-Source-Software großen Einfluss ausüben, ist jedoch nicht so leicht zu handhaben wie Programme von Adobe beispielsweise. Scribus ist die Open-Source-Alternative zu Indesign und auch wenn diese aktuell im Vergleich noch nicht so leistungsstark ist, so ist man sich doch darüber bewusst, wieso man sie benutzt – und das ist am Ende doch das wichtigste.

Es gibt nicht so viele Grafikdesigner, die sich in der Open-Source-Szene bewegen. Wir haben uns durch den Gebrauch von Instagram oder vergleichbaren Plattformen eine Welt voller Bilder aufgebaut, keine Welt, in der das Bild noch etwas wert ist; du musst Bilder produzieren und sie konsumieren. Ich sage nicht, dass das unbedingt schlecht ist, ich denke nur, dass man sich darüber im Klaren sein muss, wenn man selbst Dinge kreiert. Jetzt brauchen wir Leute, die diese beiden Welten einander annähern, um neue Werkzeuge zu generieren und neue Wege einzuschlagen, die die Dinge, die wir bislang tun, hinterfragen



 

Gibt es Techniken, die Du Dir gerne noch aneignen würdest?

 

Es werden täglich vielerlei neue Techniken entwickelt. Ich wünschte, ich würde mich mehr mit diesen befassen. Ich finde es spannend, wenn man nicht selbst das finale Bildergebnis erschafft – künstliche Intelligenz und Machine Learning sind unter anderem ein spannender Weg „zufällige“ Bilder zu generieren.

 

Welche Disziplinen außerhalb der Gestaltung faszinieren Dich und welche Erkenntnisse kannst Du aus ihnen für Deine eigene Profession ziehen?

 

Wie gesagt, ich bin vom Open-Source-Szene und der Welt des Programmierens begeistert, das sind Felder, zu denen ich künftig gerne mehr beitragen möchte. Außerdem fasziniert mich der soziale Einfluss von Grafikdesign; wir sind nicht dafür da, nur für eine kleine Gruppe an Menschen Dinge zu erschaffen, sondern vielmehr einen positiven Einfluss auf die Vermittlung von Wissen in der Öffentlichkeit zu nehmen. Was für mich das generelle Ziel aller Grafikdesigner sein sollte, statt nur visuell ansprechende Werke zu erschaffen, fern von aussagekräftigen Nachrichten oder nützlichem Design im sozialen Kontext.



 

Kannst Du uns etwas zu Design graphique libre erzählen?

 

„Design graphique libre“ ist nicht mein persönliches Projekt, aber es ist ein Prinzip, auf das ich gerne verweise. Es steht für die freie Grafikdesignszene und wird von Etienne Ozeray in einem Text proklamiert. Er thematisiert den alternativen Ansatz, als Grafiker stärker zu einer freien Kultur beizutragen, freie Software zu generieren und den bestehenden Markt zu ignorieren. Ich schätze dieses Projekt sehr, meine Arbeitsweise wurde stark von diesem bereichert und ich möchte mich künftig noch mehr damit auseinandersetzen.

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