9. Oktober 2014

Dossiers
Zu den Waffen

Text: Stephan Ott

Design ist involviert. Waffen, Propaganda, Logistik – Kriegsentwürfe sind immer auch Designentwürfe oder wie der amerikanische Designer George Nelson es einmal formuliert hat: „How to kill people – A problem of design“.1 Mit diesem „Problem“ steht das Design aber nicht allein da, sondern teilt es sich mit anderen (kreativen) Disziplinen wie der Architektur, der Geschichtsschreibung, der Wirtschaft oder der Politik.



 

Als vor kurzem bekannt wurde, dass der ehemalige Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel zum 01. Januar 2015 Cheflobbyist von Rheinmetall werden wird – einem der größten deutschen Rüstungskonzerne –, war die Entrüstung beim politischen Gegner und in den Medien groß („Das stinkt“).2 Aus Rheinmetall-Sicht ist das Engagement jedoch durchaus schlüssig, denn Niebel ist für die Aufgabe bestens qualifiziert. Als ehemaliges Mitglied des Bundessicherheitsrats besitzt er zum einen profunde Kenntnis über das Procedere deutscher Waffenexporte, zum anderen hat er infolge seiner Amtstätigkeit per se gute Kontakte zu potenziellen Rheinmetall-Kunden. Für Außenstehende mag das zynisch klingen, ein solches Vorgehen folgt jedoch einer großen Tradition; was es zwar nicht weniger zynisch macht, aber einmal mehr zeigt, wie stabil die Machtstrukturen in der Branche sind, allen moralischen Empörungen, ethischen Bedenken, verlorenen Kriegen und strengen Auflagen einer internationalen Staatengemeinschaft zum Trotz.

Als etwa in den 1920er Jahren die Waffenproduktion in Deutschland infolge des Versailler Vertrages starken Auflagen unterlag, umging Rheinmetall dies mit der Gründung von Tochterunternehmen im Ausland. Für die Entwicklung und Produktion von Handfeuerwaffen u.a. des Maschinengewehrs S1-100, unter der Bezeichnung MP 34 später eine der am häufigsten verwendeten Handfeuerwaffen von Deutscher Wehrmacht und Waffen-SS (Design: Louis Stange),3,4 erwarb Rheinmetall 1929 zunächst die schweizerische Waffenfabrik Solothurn, übernahm kurze Zeit später die Mehrheit an den österreichischen Steyr-Werken und gründete 1934 die Steyr-Solothurn Waffen AG. Während die Waffenfabrik Solothurn 1949 liquidiert wurde, produziert die Steyr Mannlicher GmbH neben Jagd- und Sportwaffen bis heute militärische Handfeuerwaffen wie die Steyr AUG (Armee Universal Gewehr), die u.a. auch mit Zielfernrohren von Swarovski-Optik angeboten werden.

Eine andere kreative Konstruktion war die Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH (Montan GmbH), ein virtuell agierendes Unternehmen, das ab 1934 vom deutschen Heereswaffenamt (HWA) kontrolliert wurde und als privatwirtschaftliche Treuhänderin heereseigener Rüstungsbetriebe agierte, mit dem einzigen Ziel, staatliche Interventionen in die deutsche Rüstungswirtschaft zu verschleiern. Ein Vorgehen, dass unter dem Stichwort „Montan-Schema“ Schule gemacht hat. 1951 wurde die mittlerweile bundeseigene Montan GmbH zur ebenfalls bundeseigenen Industrieverwaltungsgesellschaft mbH (IVG) umfirmiert. Deren direkter Nachfolger wiederum ist die heute vollprivatisierte IVG Immobilien AG, einer der größten deutschen Objektentwickler (der Marktwert des eigenen Immobilienbestandes beträgt 3,6 Mrd. Euro), darüber hinaus Entwickler und Betreiber unterirdischer Lagerstätten (Kavernen) von Gas und Öl – u.a. „zur Lagerung von strategischen Ölreserven verschiedener westeuropäischer Staaten“5 – sowie mit dem „IVG Caverns Fund“ Betreiber des größten Infrastrukturfonds in Deutschland (Investitionsvolumen 1,7 Mrd. Euro). Mancher mag ein solches Unternehmen Kriegsgewinnler nennen.

 

 

 

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